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Rauchfrei.de befragt ehemalige Raucher zu ihren persönlichen Erfahrungen nach dem Aufhören und was sie Rauchern, die gerne aufhören möchten, raten können. Vielen Dank für Ihre Hilfe! Wenn Sie rauchfrei sind und helfen wollen, dann teilen Sie uns Ihre Erfahrungen und Meinung mit via Email

  Ina (24) "Meine Raucher- bzw. Nichtrauchergeschichte"                                    mehr Berichte

Hallo,
ich heiße Ina und bin 24 Jahre alt. Ich habe mit 12 angefangen zu rauchen. Erschreckend, oder? Ich habe damals in der 7ten Klasse angefangen. Ich wollte unbedingt in eine bestimmte Gruppe gehören und die haben halt nun mal alle geraucht. Also ne Schachtel gekauft und mit zum rauchen gegangen. Tja hätte ich damals gewußt wie das ganze endet......Ich habe vor 4 Jahren schon mal aufgehört zu rauchen, da hab ich dann 1 Jahr nicht mehr geraucht und wieder angefangen. Warum, ich weiß es nicht, ich glaub man vergisst einfach, wie schlecht es einem ging und warum man eigentlich aufgehört hat. Das Jahr war wirklich super und es ging mir einfach gut. Ich hab noch die ersten paar Tage nach dem Aufhören in Erinnerung, es war alles so ungewohnt und fremd, aber sonst war alles viel besser. An diese Zeit hab ich aber seit dem immer wieder gedacht und es hat mich immer wieder motiviert über das Rauchen nachzudenken und vor allem über das Aufhören. 
Die letzten 3 Jahre hab ich immer wieder versucht aufzuhören, mal für 3 Wochen, mal für 2 Tage, mal für ein paar Stunden, mal hatte ich die Idee den Konsum zu reduzieren, klappt dann ein paar Tage und dann hört man wieder auf sich zu kontrollieren. Also es war ein richtiges Hin und Her, rauchen, nichtrauchen, aufhören ja oder nein. Hin und her hin und her hin und her, ein Irrsinn. Die letzten 6 Monaten waren die schlimmsten, eine einzige Quälerei. Mein Konsum ist rapide gestiegen. Ich bin stundenlang auf der Terasse gesessen und hab eine nach der anderen geraucht. Ich hab sogar meine Tätigkeiten so ausgesucht und Freizeit so gestaltet, daß ich möglichst viel auf der Terasse sitzen kann, natürlich um zu rauchen. Ich hab mich von der Aussenwelt immer mehr abgekapselt und geraucht und getrunken (Kaffee), was das Zeug hält. Und ich hab mir jede Zigarette vorgeworfen, hatte Angst zu rauchen und Angst nicht zu  rauchen. Ich wollte aufhören, hab bestimmt 30 mal aufgeschrieben, warum ich aufhören will zu rauchen, hab bestimmt 50x geplant, wie ich es am besten machen soll, überlegt, was ich die letzten Male falsch gemacht habe und und und. Und was hab ich dabei gemacht????geraucht natürlich. Manchmal in 1 oder 2 Stunden fast ne Schachtel. Solche Exzesse haben sich gemehrt, am Schluß hab ich sie täglich gehabt. Also richtig ätzend.
Ihr könnt euch ja vorstellen, wie ich gestunken habe und wie mein Mund und Hals sich angefühlt hat. Richtig eklig. Der Aschenbecher war immer bis zum Rand voll, die Asche lag schon überall auf dem Tisch. Meine Nägel haben gestunken, meine Haare, richtig furchtbar. Es war wirklich schlimm. Tja aber wem erzähl ich so was, jeder von euch kennt doch auch solche Geschichten. Geschichten, wegen denen man sich schämt, man denkt, daß ist bei anderen nur so. 
In dieser schlimmen Zeit (rein psychisch schlimm, man bewahrt ja den Schein vor den anderen, was sollen die den denken), hat mein Freund um meine Hand angehalten. Die Verlobungszeit war sehr kurz, der Termin der Hochzeit war gleich eineinhalb Monate später. Ich habe die Zeit nicht genossen.
 
Ich hatte mit mir selber einmal ausgemacht, daß ich auf jeden Fall mal als Nichtraucherin heirate, ich möchte auf gar keinen Fall an meinem Hochzeitstag qualmen und stinken. Als Frau stellt man sich ja seine Hochzeit schon ab dem Kindesalter immer wieder vor. Also so wars bei mir auch und ich hab mich immer wieder als Nichtraucherin vorgestellt, so oft, daß das ein Muß für mich war. Tja und deshalb war meine kurze Verlobungszeit auch die reinste Qual. Ich hatte noch eineinhalb Monate und rauchte wie ein Schlott. Ich hab mich kein bißchen liebenswert gefunden und konnte erst recht nicht verstehen warum mich mein Freund heiraten wollte (wir sind seit 7 Jahren zusammen). Da sieht mal man, was die Angst vor dem Aufhören aus einem macht. Tja der Tag (28.09.06) kam immer näher und ich ich rauchte weiter. Ich konnte mich nicht mal mehr auf meine Hochzeit freuen, obwohl ich mir das seit 3 Jahren so sehr gewünscht habe. Ich hab sogar an der Hochzeit gezweifelt. Dann kam der 28igste, ich rauchte weiter, ich heiratete und war einfach nicht glücklich. Von wegen, der glücklichste Tag im Leben einer Frau. Flitterwochenreise war keine geplant (Urlaubssperre), nur 4 Tage frei und die waren auch nicht besonders schön. Und alles nur wegen diesem giftigen braunen Zeug in Papier gewickelt namens Zigarette. Bin aber selber schuld, hab´s mir selber versaut. Am 03.10.06 war ich so wütend und sauer auf mich selber, wie blöd ich denn bin und was ich mir selber antue, daß ich ein Nichtraucherbuch rausgekramt hab (irgendwann gekauft, nie gelesen), es auf einen Tag gelesen hab, dabei 2 Schachteln geraucht und dann aufgehört.
 
Ich rauche seit dem nicht mehr. Mir geht es besser. Ich fühle mich befreit und sauber, meine Haut ist schöner, meine Nägel sind schöner, meine Haare riechen das erste mal seit langem nach Shampoo. Ich rieche gut, hab nen tollen Geschmack im Mund, kriege wieder Luft durch die Nase. Ich fühle mich einfach klasse.
 
Die ersten 3 Tage waren ganz komisch. Ich wollte zwar keine Zigarette, hatte absolut kein Verlangen danach, aber es war alles so ungewohnt, ich wußte gar nicht, was ich machen soll, mein ganzer Tag war so anders, ungewohnt. Ich hab oft an Zigaretten gedacht, aber eher in der Form : "jetzt hätte ich schon 10 geraucht, jetzt hätte ich schon 3 Schachteln geraucht, hätte 12 Euro ausgegeben". Nach den 3 Tagen, hab ich angefangen zu essen, den ganzen Tag eine Woche lang, hab ich alles mögliche in mich reingestopft, war aber glücklich dabei. 
 
Ich hab gedacht gehabt, daß ich sowieso zunehmen werden, warum also streßen oder einen Rückfall provozieren. Hab mir gesagt, scheiß auf das Gewicht, daß kriegst du später wieder spielend runter, aber wenn ich jetzt nicht aufhöre zu rauchen, wird das nie was, dann werde ich immer wieder an diesen Punkt kommen. Hab mir eine Grenze gesetzt, max. 5 Kilo und dann ist Schluß mit Schlemmen. Ich hab nur 4 Kilo zugenommen und es hat richtig Spaß gemacht mal alles essen zu können ohne schlechtes Gewissen zu haben. Nach einer Woche fressen hatte ich gar keine Lust mehr auf Schokolade und anderes ungesundes Zeug.
 
In der 3ten Woche hat mein Selbstbewußtsein ziemlich gelitten. Ich hab angefangen über mich und mein Leben nachzudenken. Ich hab ja jetzt auch maßig Zeit dazu, pro Zigarette 5 Minuten und das 20-40 mal am Tag, ganz schön viel Zeit. Bin fast richtig depressiv geworden, hab an allem rumgemeckert, nichts paßt, ich bin so häßlich und überhaupt und die Arbeit und ach was weiß ich was meine Psyche mir da alles vorgejammert hat. War schon anstrengend und Kräfte raubend, nicht nur für mich auch für meinen Mann, denn der hat plötzlich auch alles falsch gemacht und eigentlich hat nichts mehr an ihm gepaßt und warum hab ich ihn nur geheiratet, o Gott auch schon die erste Ehekrise. Der Arme hat also auch eine schlimme Woche hinter sich. Das hat sich dann auch wieder gelegt. Das war sozusagen die 3te Phase.
 
Bin jetzt in der 4ten Wochen Nichtraucher und ich beginne mein Leben wieder auf die Reihe zu kriegen. Das Essverhalten hat sich fast wieder normalisiert, ein Kilo ist schon wieder weg. Mein Mann und ich sind wieder lieb zueinander und erst jetzt kann ich mich über die Hochzeit freuen und fühle mich wohl. Er ist Gottseidank nicht nachtragend und verständnissvoll. Ich bin viel aktiver und fröhlicher. Ich sprühe vor Energie, mache so viele Dinge, die ich mir vorher immer nur vorgestellt hab. Früher hab ich eine geraucht und z.B gedacht: "mein Gott Sport machen wär auch nicht schlecht" oder "eigentlich wollte ich schon lang wieder mal ins Theater" oder "mal wieder schön kochen für meinen Freund". Jetzt denke ich nicht mehr drüber nach, jetzt mache ich es einfach. Und es macht Spaß das Leben zu genießen.
 
Ich merke auch den Unterschied zu den letzten Aufhörversuchen. Es fühlt sich ganz anders an, ich quäle mich nicht und ich trauere auch keiner Zigarette mehr nach. Ich hab aufgehört, einfach so. Es ist so wie vor 4 Jahren, als ich 1 Jahr nicht mehr geraucht habe.
 
Ich hab mir vorsichtshalber einen Brief an mich selber geschrieben. Eine Warnung. Ich habe alles aufgeschrieben, warum ich aufgehört hab, was mich am Rauchen gestört hat, wie ich mich gequält hab, bis ich aufgehört hab, hab von allen schlimmen Aufhörversuchen geschrieben, hab alles aufgeschrieben, damit ich auf gar keinen Fall wieder in diese Rauchfalle tappe. Und falls ich je wieder mal in Versuchung komme oder drüber nachdenke, ob ich eine rauchen soll, dann lese ich diesen Brief. Ich habe diesen Brief so geschrieben, als ob ich ihn an meine beste Freundin schreiben würde, die ich vor dem schlimmsten Fehler ihres Lebens warnen würde.
 
Schreibt doch auch mal einen lieben Lieben Brief an euch selber. Es klingt vielleicht komisch, hab ich mir auch gedacht, aber es tut echt gut und es hilft. So lieb spricht man normal nicht mit sich selber.
 
Vielleicht erkennt ihr einiges aus meinem Text an euch selber wieder. Bestimmt, es geht uns nämlich allen gleich. Jeder hat so seine eigenen Probleme und Geschichten, aber was das Rauchen angeht, geht es uns allen ähnlich. Es muß klick machen. Wenn ihr drüber nachdenkt aufzuhören oder nicht, wieder anzufangen oder nicht, dann seit ihr euch nicht sicher, dann seit ihr noch nicht so weit. Setzt euch 5 Minuten hin denkt drüber nach. Fast einen Entschluß. Könnt ihr keinen fassen, raucht weiter, es hat nicht klick gemacht und ihr quält euch unnötigt. Fast ihr den Entschluß aufzuhören, dann hört auf drüber nachzudenken eine zu rauchen, oder wie es ist ohne Zigarette. Denk lieber drüber nach, wie ihr verhindern könnt Rückfällig zu werden. Ihr habt immer wieder die Möglichkeit euch neu zu Entscheiden. Also keine Angst vor dem Entscheiden.
 
Ich wünsche euch alles alles Gute und Liebe und wünsche euch viel Spaß beim aufhören.

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