Nikotinsucht

Nikotinsucht

Die psychische Komponente der Nikotinsucht

Der Einstieg in die Nikotinsucht

Anfangsmotive wie Neugier oder Gruppenzugehörigkeit bei Jugendlichen wandeln sich mit der Zeit. Das durchschnittliche Einstiegsalter in Deutschland liegt bei 11-13 Jahren.

Rauchermotive

Später wird der Griff zur Zigarette fester Bestandteil in vielen Situationen des Tagesablaufs. Hat der Raucher zum Beispiel gelernt, sich in einer schwierigen Situation mit einer Zigarette zu beruhigen, so greift er beim erneuten Auftreten wieder zur Zigarette (Macht der Gewohnheit).

Die Motive zu rauchen ändern sich und sind meist miteinander verknüpft: Stress, aus Langeweile, zur Anregung, als Genuss, als Ablenkung, als pure Gewohnheit oder um das Gewicht zu halten etc.

Das Einprägen in tägliches Verhalten in Kombination mit auftretenden Entzugserscheinungen bei ausbleibender Nikotinzufuhr, erschwert das Loskommen von der Kippe oder ist bei frischen Nichtrauchern häufig die Ursache wiederholter Rückfälle zum Rauchen.

Die physische Komponente der Nikotinsucht

Gewöhnung und Suchtentstehung

Der Körper gewöhnt sich rasch an die durch Nikotin ausgelösten Effekte. Nach einiger Zeit verlangt er nach Nikotin. Die Dosis muss gesteigert werden, um die angenehmen Wirkungen des Nikotins erneut zu erzielen. Wird die Dosis unterschritten, empfindet der Raucher Entzugserscheinungen. Durch Nachschub mittels der nächsten Zigarette können diese vermieden bzw. wieder aufgehoben werden.

Für Tabakabhängigkeit gelten die gleichen Voraussetzungen wie für andere Abhängigkeiten wie z.B. Alkohol- oder Rauschmittel. Als wesentlicher Unterschied weist Rauchen keine persönlichkeitsverändernde (sog. psychotoxische) Effekte auf. Alkohol- und Drogenabhängigkeit führen oft zu auffälligem Verhalten, welches leicht in gesellschaftlicher Isolation (Arbeitsplatzverlust, Partnerverlust etc.) enden kann.

Suchtkriterien Rauchen (Nikotinsucht)

allgemeine Kriterien

  • Starkes Verlangen oder der Zwang zu rauchen
  • Erfolgloser Wunsch das Rauchen aufzuhören oder einzuschränken
  • Rückfälle nach erfolglosen Entzugsversuchen
  • Verringerte Kontrollfähigkeit bezüglich Beginn, Beendigung und Menge
  • Weiter rauchen trotz wiederholten Auftretens negativer Wirkungen
  • Auftreten körperlicher Entzugssymptome bei „Rauchpausen“ (z.B. Krankheit)
  • Aufnahme des Rauchens, um gezielt diese Entzugserscheinungen aufzuheben
  • Festhalten am Rauchen, obwohl der Raucher die schädlichen Folgen bereits verspürt

konkrete Kriterien

  • Zwang (tägliches) morgendliches Rauchen
  • Konsum von mehr als 10 Zigaretten am Tag
  • mehrere vergebliche Aufhörversuche in der Vergangenheit

Suchtentwicklung und -erhaltung

Nikotinwirkungen im Körper

Die schnell einsetzenden und rasch wieder nachlassenden heftigen Wirkungen des Nikotins sind die entscheidende Komponente für Entstehung und Aufrechterhaltung der Nikotinabhängigkeit. Durch Hemmung der Monoaminoxidase A und B im Gehirn wird eine antidepressive Stimmung erzielt. Das Fehlen ist eventuell für Verstimmungen beim Nikotinentzug verantwortlich.

Ebenso soll die Ausschättung von Endorphinen und Dopamin für die Suchtentwicklung verantwortlich sein. Fehlt diese Stimulierung des zentralen „Belohnungssystems“ tritt häufig ein körperliches Entzugssyndrom mit Ausprägungen wie Verstimmung, Unruhe, Schlafstörungen, Angstgefühl etc. verbunden mit einem starken Verlangen nach Nikotin.

Suchtzyklus

Am Anfang steht meist die Erwartung eines positiven Substanzeffektes oder die Zugehörigkeit zu einer Gruppe (Freundeskreis) durch freiwillige Aufnahme des Nikotinkonsums.

Nach ersten positiven Erfahrungen (Gelegenheitsraucher) und Sicherheit im Umgang wird häufiger und in gesteigerter Dosis (tiefer Lungenzug) geraucht. Diese Konsumsteigerung führt zur Gewöhnung an den Stoff Nikotin und Rauchen wird als Ritual in verschiedenste Situationen des tägliche Lebens eingebunden.

Wird ein gewisser Point-of-No-Return überschritten, kann daraus unkontrollierter Substanzkonsum werden, besonders wenn negative Zuständee wie Entzugssymptome vermieden werden sollen und bereits spürbare gesundheitliche Beeinträchtigungen verdrängt werden. Die verfestigte Zwanghaftigkeit des Rauchens erschwert das Loskommen von der Kippe und führt oft zu Rückfällen.

Nikotin – Suchtgefährliche Substanz?

Der Pharmakologe David Nutt von der Universität Bristol hat eine „Liste der gefährlichsten Drogen“ erstellt. Darin nimmt Nikotin hinter Heroin, Kokain, Barbituraten, Methadon, Alkohol die neunte Position noch vor Cannabis, LSD und Ecstasy ein.

Kriterien des Rankings waren körperliche Schäden, die Stärke des Abhängigkeitspotentials, die Folgen für das soziale Umfeld und die öffentlichen Gesundheitskosten beurteilt.

Ironischerweise wird hier Cannabis genannt, die Droge, die sogar hinter dem Nikotin steht. Die natürliche Pflanze Hanf, aus welcher der Cannabis gewonnen wird, hat jedoch auch positive Eigenschaften und kann unter Umständen sogar bei der Rauchentwöhnung helfen. Aus Hanf wird der Wirkstoff CBD gewonnen, das Cannabidiol. Dabei wurden dem Hanf vorher alle berauschend- und dämpfendwirkenden Stoffe entzogen, Cannabidiol hat viele gute Eigenschaften, die bei verschiedenen Erkrankungen und Beschwerden Linderung verschaffen können. Studien lassen einen Zusammenhang zwischen der Einnahme von CBD und einer Reduzierung der gerauchten Zigaretten erkennen, ohne abhängig zu machen. Weitere Forschungen sollen diese Ergebnisse bestätigen.

Nutt hält aufgrund dieser Erkenntnisse die Legalisierung von Alkohol und Nikotin im Vergleich zu anderen Drogen als vollkommen willkürlich. Der Direktor der Psychiatrischen Klinik an der Charite, Andreas Heinz, sieht die Gefahren der legalen Drogen Alkohol und Nikotin als vollkommen unterschätzt und setzt Nikotin auf Platz 1 und Alkohol auf Platz 2, wenn man alleine medizinische Gesichtspunkte anlegt.